Tag der offenen Tür SA 25. Nov. 2017 12:00 - 15:00 - KTG Königswall

Tucholsky im Krieg

aus Helga Bemmann: Kurt Tucholsky. Ein Lebensbild

Einberufung als Schipper

Kurt Tucholskys Phantasien über den Krieg wollte er in ein Buch fassen. Dieses Buch wurde nie geschrieben, da er ab dem 1. August 1914 selbst Erfahrungen im Krieg sammeln konnte.

Anfang März 1915 wurde Kurt zur Musterung zur Feststellung seiner Militärstauglichkeit geladen. Bei der Musterung traf er seinen alten Freund Hans Schönlank. Beide wollten nicht in den Krieg, weil es ihnen nicht zusagte den Dienst an der Waffe zu schieben und versuchten ihre Gesundheit kurzzeitig mit Hilfe von starken Zigaretten zu beeinträchtigen. Dieser Versuch blieb jedoch erfolglos. Kurt Tucholsky wurde zum diensttauglichen Landsturm ohne Waffe erklärt und wurde am 10. April 1915 eingezogen.

Er wurde in die Russische Tiefebene beordert. Dort traf er armselige Verhältnisse an, denn er musste mit seinen Kameraden auf harten Böden in einer Art Stall übernachten und das dortige Umfeld war in einem erbärmlichen Zustand.

Seine Aufgabe bestand darin, zerstörte Festungen wieder aufzubauen und Straßen zu errichten die im Gefecht zerstört wurden. Zu dieser Zeit war die Belastung sehr hoch, da es harte Arbeit war, die Kurt Tucholsky und seine Kameraden verrichten mussten.

Kurt Tucholsky hatte Anpassungsschwierigkeiten, denn er hatte das Gefühl einer Deklassierung, da er von ausrangierten Offizieren befehligt wurde und das gefiel ihm nicht.

Nach geraumer Zeit war er nicht mehr Schipper, sondern Schreiber beim Kompaniestab.

Das ganze Jahr befand sich Tucholsky und seine Truppe auf dem Marsch. Sie hatten während dieser Zeit kaum Kontakt zur Zivilbevölkerung. Sie bauten Unterstände und Schützengräben, Feldbefestigungen und Stabsquartiere oft im feindlichen Feuer und meist in der Nacht.

Erlebnisse als Kompanieschreiber

Im Sommer 1915 war eine verhältnismäßig ruhige Zeit nach dem Abflauen der Gefechte.

Im ersten Jahr des Krieges waren kleine Aufzeichnungen und die persönliche Korrespondenz das Einzige, was er neben dem dienstlichen Schreibkram für sich auf der Maschine tippen konnte.

Er empfing Informationen von seiner Schwester in Form von Briefen. Sie unterrichtete ihn auch über seinen Bruder, der auch als Schipper an einem anderen Ort stationiert war.

Tucholsky bekam bei dieser Station eine Waffe, die er aber nicht einsetzen wollte, weil er keinen Russen damit „erschrecken“ wollte.

Im September 1915 musste Tucholsky seine Berichte mit der Hand schreiben, weil die Schreibmaschine kaputt war. Er wurde daraufhin aus der Schreibstube geworfen, aufgrund seiner unleserlichen Schrift.

Er erntete Kritik von den Offizieren über seine Berichte über den Krieg, die alles andere als gut waren und dies missfiel den Offizieren.

Die Kritik über ihn begann von dieser Zeit an und begleitete ihn noch über viele Jahre, wegen kleinerer Delikte, die ihm aber von einigen Offizieren übel genommen wurden. Später sagte Tucholsky einmal: „Ich habe mich dreieinhalb Jahre im Krieg gedrückt, wo ich nur konnte- und ich bedaure, dass ich nicht, wie der große Karl Liebknecht, den Mut aufgebracht habe, nein zu sagen und den Heeresdienst zu verweigern. Dessen schäme ich mich.“

Im Herbst 1915 wurde Tucholskys Einheit wieder zum direkten Einsatz an der Front herangezogen. Elf Monate blieb seine Truppe ununterbrochen im Einsatz.

Das Jahr 1916 brachte eine Wendung in seinem Dasein. Er wurde im Herbst mit seiner Kompanie abkommandiert. Sie sollten für die Artilleriefliegerschule einen Flugplatz errichten. Kurt Tucholsky wurde als Schreiber zum Stab der Fliegerschule abkommandiert.

An der Fliegerschule Alt Autz im Kurland

Kurt Tucholsky war zunächst beim Stabschef der Schule tätig, alsbald aber avancierte er zum Bürochef beim Stab.

Infolge seiner Fähigkeiten rückte er zum Unteroffizier auf, nebenher war er mit der Verwaltung der Leihbibliothek beauftragt und verantwortlich für den Betrieb einer kleinen Druckerei.

Kurt Tucholsky machte sich Gedanken, wie es nach dem Krieg in Deutschland weitergehen solle. Er kann keinen Sinn im Töten von Menschen erkennen, da einige russische Spione während seines Aufenthaltes hingerichtet wurden.

Tucholsky dachte seit zwei Jahren darüber nach, nach Schweden auszuwandern. Es lässt sich nicht sagen, ob solche Äußerungen bereits ernsthafte Überlegungen waren oder nur emotionale Reaktionen auf das Kriegserlebnis und die durch den Krieg auch für ihn eingetretene Zerstörung seiner beruflichen Zukunft, die er gerade aufzubauen begonnen hatte.

Bei den Fliegern hatte Tucholsky weit mehr Arbeit zu leisten, als bei der vorherigen Kompanie.

Kurt Tucholsky arbeitete bei der Feldzeitung „Flieger“. Ihm gefiel die Arbeit im Verlag immer weniger, da er seiner Meinung nach mit seinen Vorgesetzten nicht vernünftig arbeiten konnte.

Auf der anderen Seite gewährte ihm das Blatt ein beachtliches Maß an Freizügigkeiten, er konnte umherreisen und über seine Zeit disponieren, was ihm im Rahmen der Verhältnisse eine gewisse Unabhängigkeit verschaffte.

Tucholsky hatte sich nun dem Militärbetrieb voll angepasst, da er ein gutes Verhältnis zu Oberleutnant Bode hatte, der ihm einiges in seinem Militärleben auf dieser Station erleichterte.

Im September 1917 wurde er dort zum Unteroffizier befördert.

An der Fliegerschule trafen eines Tages zweihundert Helferinnen ein und Tucholsky lernte dort Mary Gerold schätzen und lieben.

Kurze Zeit später bekam er Urlaub.

Nach dem Krieg nahm er seine Arbeit als Chefredakteur wieder auf.

Tags: Kurt Tucholsky, Schipper, Kompanieschreiber, Fliegerschule, Krieg


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